Für saubere Atemluft und gerechte Mobilitätsstrukturen

Hannover ist eine Stadt im Grünen. Und dennoch sind die Luftbelastungen an vielen Stellen gewaltig. Um dies zu ändern, müssen wir die Verkehrsinfrastruktur neu ausrichten. Die »HannovAIR Connection« fordert aus diesem Grund die Entwicklung und Umsetzung eines städtischen Aktionsprogramms. Ziel muss es sein, gesundheitsschädliche Emissionen so weit wie möglich zu begrenzen und Mobilität für alle zu gewährleisten. Dies kann auch ohne übergeordnete Maßnahmen wie der Blauen Plakette erreicht werden. Die von uns angestrebte Verkehrswende kann auf lokaler Ebene eingeleitet werden. Entscheidend hierfür ist es, dass wir unsere Infrastruktur vor Ort so umbauen, dass alle davon profitieren; nicht nur eine Gruppe, sondern auch die, die kein Auto nutzen können oder wollen.

 

Der Schlüssel zur Verkehrswende liegt in der Infrastruktur. Ziel ist nichts weniger als eine echte Verkehrswende. Erste Voraussetzung hierfür ist, die Benachteiligungen für den Fuß- und Radverkehr sowie des öffentlichen Nahverkehrs abzubauen und eine gerechte Mobilitätsinfrastruktur zu schaffen. Der Gesundheitsschutz, die Sicherheit und die Freiheit des Einzelnen müssen im Vordergrund der Verkehrsplanung stehen. Für die politische Umsetzung braucht es eine klare Zielvorgabe, an der sich die Bemühungen messen lassen können. Wir fordern, dass bis 2025 80% der Wege ohne Schadstoffausstoß zurückgelegt werden. Wir konzentrieren uns hierfür auf ein 8-Punkte-Aktionsprogramm. Folgende Maßnahmen liegen in der Zuständigkeit der Landeshauptstadt Hannover und bilden den Rahmen für eine dauerhafte Luftreinhaltung und eine nachhaltige Stadtentwicklung:

1. Vorrang für den Fuss- und Radverkehr

Die derzeitige Verkehrsinfrastruktur in Hannover geht stark zulasten des Fuß- und Radverkehrs. Während Ampelphasen zugunsten des motorisierten Verkehrs geschaltet werden, wird Fußgängern an vielen Kreuzungen abverlangt, in der Mitte der Straße auf die nächste Grünphase zu warten. Dort sind sie besonders stark den Autoabgasen ausgesetzt.

 

Bei Planung und Umsetzung von Verkehrsprojekten muss die Verkehrswende im Vordergrund stehen. Straßenquerschnitte müssen bei der Planung den Fuß- und Radverkehr priorisieren. Verkehrserhebungen dürfen sich daher nicht länger einseitig auf den Automobilverkehr konzentrieren, sondern müssen ebenso den Fuß- und Radverkehr berücksichtigen. Gleiches gilt für die Regelung des „Verkehrsflusses“ durch computergesteuerte Ampelschaltungen. Die konsequente Priorisierung von Fuß- und Radverkehr muss Standard werden. Keine „Grüne Welle“ für den Automobil-, sondern für den Radverkehr!

 

Neue Fahrspuren für den Automobilverkehr (wie für die Hans-Böckler-Allee gefordert) führen nicht zu einem besseren Verkehrsfluss, sondern zu mehr Verkehr und damit zu mehr Abgasen in der Stadt. Ein solcher Ausbau geht zwangsläufig zulasten der Anwohner. Wir fordern daher, auf den Ausbau von Straßen explizit zu verzichten.

2. Konsequenter Ausbau der Fahrradinfrastruktur

Die Umwidmung von Fahrspuren in Fahrradstreifen, dass zeigen neuste Untersuchungen und Praxisversuche (New York), wirkt sich positiv auf den Verkehrsfluss aus. „Je höher der Anteil der Radfahrer ist, desto deutlicher ist der Zeitgewinn für Autofahrer“ – befand kürzlich der ADAC. Im analysierten Fall hatte die Umwidmung zudem auch einen deutlich positiven Effekt auf die Sicherheit: die Zahl der Verkehrsunfälle sank erheblich. Die HannovAir Connection fordert deshalb die sofortige Umwidmung einer Spur des City-Rings und an allen Hauptverkehrsrouten in die Stadt in eine Radspur.

 

Auch die Verbreitung von (S-)Pedelecs und Lastenrädern erfordert einen neuen „Standard“ bei der Radwegeplanung. Breitere Fahrspuren, auf denen das Überholen gefahrlos möglich ist, sind notwendig, um verschiedenen Geschwindigkeiten Rechnung zu tragen. Forschungen haben gezeigt, dass Radfahrer immer dann am sichersten unterwegs sind, wenn sie möglichst durchgängig im Sichtfeld der Autofahrer bleiben. Damit diese Spuren auch von Kindern und älteren Menschen genutzt werden können, müssen sie baulich vom Autoverkehr getrennt werden. Die sichere Teilnahme am Straßenverkehr muss allen Altersgruppen offenstehen.

 

Mit der Verbreitung von Pedelecs werden auch längere Strecken für Pendler immer attraktiver. Radschnellwege sind daher ein wichtiger Baustein für eine nachhaltige Verkehrsinfrastruktur. Sie bedeuten weniger Staus, weniger Abgase, weniger Verkehrslärm für Anwohner, gesündere Menschen und damit auch weniger Gesundheitskosten. Die Errichtung solcher Radschnellwege ist folglich nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch sinnvoll. Die Landeshauptstadt Hannover muss daher die Planung und Errichtung solcher Schnellwege verstärkt vorantreiben.

3. Ausbau des ÖPNV & Förderung von Sharing-Systemen

Hannover besitzt ein ausgesprochen gutes ÖPNV-System. Mit dem sternförmig angelegten Straßenbahnnetz ist die Innenstadt schnell und unkompliziert erreichbar. Um noch mehr Menschen zum Umstieg vom Auto auf die Stadtbahn zu bewegen, müssen Taktzeiten erhöht und die Sichtbarkeit von Park’n’Ride Angeboten verbessert werden. Die Anreizstrukturen für Pendler aus dem Umland auf den ÖPNV oder Radschnellwege umzusteigen, müssen erhöht werden. Vorstellbar wäre beispielsweise ein kostenloses ÖPNV-Jahresticket als Prämie für die Abmeldung eines privaten PKW.

 

Das Job-Ticket für Angestellte muss attraktiver werden. Bürokratische Hemmnisse müssen abgebaut werden, damit das Angebot für große wie kleine Firmen attraktiv wird.

 

Hannover präsentiert sich auch Gästen gegenüber gerne als grüne, fahrradfreundliche Metropole. Hannovers Topographie bietet ideale Bedingungen, die Stadt per Rad zu entdecken. Dennoch gibt es in Hannover kein Bike-Sharing System wie es in vielen anderen deutschen Metropolen (Berlin, Hamburg, Frankfurt) längst Standard ist. Dieses Manko sollte schnellstmöglich behoben werden.

 

Sharing-Systeme und Multimodalität werden von Experten als die Zukunft der städtischen Infrastruktur gepriesen. Die Landeshauptstadt sollte in Zusammenarbeit mit den städtischen Verkehrsbetrieben und privaten Akteuren die Möglichkeiten für die Verbindung von ÖPNV und Sharing-Angeboten ausloten. Der Wechsel zwischen den verschiedenen Systemen muss für Nutzer unkompliziert und mit einer Buchung erfolgen können. Für die Kombination von Bahn und Rad müssen zudem die Mitnahmemöglichkeit von Fahrrädern in S-Bahnen verbessert werden.

4. Lebenswerte Stadtteilzentren durch Nahmobilität

Bereits jetzt entwickeln in Hannover besonders diejenigen Stadtteile eine erhöhte Anziehungskraft und Vitalität in denen es verkehrsberuhigte, oder ganz autofreie Einkaufs- und Begegnungszonen gibt. Dazu zählen beispielsweise die Lister Meile in der Oststadt/List, die Limmerstraße in Linden oder auch der Engelbosteler Damm in der Nordstadt.

 

Verkehrsberuhigte Bereiche als Einkaufs-, Spiel- und Begegnungsräume helfen Verkehr zu vermeiden, ermöglichen eine dezentrale Versorgung und schaffen lebenswertere Quartiere. Statt der fortschreitenden Trennung von Lebensbereichen, soll eine Mischung von Wohnen, Arbeiten, Freizeit, Lernen und Versorgung in den Quartieren gefördert werden.

 

Die Stärkung der Nahraumversorgung, die Förderung autoreduzierter Wohnbauprojekte und die Umwidmung von Straßenraum in Begegnungszonen und Spielflächen für Kinder und Jugendliche tragen maßgeblich zu einer lebenswerteren Stadt bei.

5. Vorrang für den Wirtschafts-, Versorgungs- und Rettungsverkehr

Viele Dienstleister und Versorgungsbetriebe wie auch der Rettungsverkehr sind auf zügiges Vorankommen im Stadtgebiet angewiesen. Gegenüber dem motorisierten Individualverkehr sollte dem Versorgungsverkehr Vorrang eingeräumt werden. Dafür schlagen wir Wirtschaftsparkzonen im innerstädtischen Bereich und den Aufbau von Güterverteilzentren vor.

 

Die Landeshauptstadt Hannover muss mit gutem Beispiel voran gehen und die Umrüstung der städtischen Autoflotte auf abgasfreie Fahrzeuge vorantreiben. Dass sich Elektromobilität nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch rentiert, zeigt die Deutsche Post, die eigens einen Elektrotransporter für die innerstädtische Auslieferung entwickeln ließ. Um Elektromobilität attraktiver zu machen, muss die Stadt zusätzlich den Ausbau der Ladesäuleninfrastruktur für E-Mobilität verstärkt vorantreiben.

6. Information, Aufklärung & Bildung

Die Belastungen der Atemluft mit Stickoxiden und Feinstaub stellen eine unsichtbare Gefahr dar. Viele Menschen sind sich nicht bewusst, welchen Belastungen sie tagtäglich ausgesetzt sind. Wir fordern deshalb den Aufbau von Infosäulen zur Visualisierung aktueller Messdaten in der Innenstadt sowie die umfassende und leicht zugängliche Bereitstellung der Daten online.

 

Die Landeshauptstadt Hannover muss regelmäßig den Prozessfortschritt evaluieren und über den Stand der Vorhaben informieren. Neben der Veröffentlichung der Evaluationsergebnisse fördert die Stadt Hannover die Bürgerbeteiligung und lädt zu Informations- und Austauschveranstaltungen ein.

 

Verkehrserziehung ist ein Schlüssel für die nachhaltige Mobilität von Morgen. Wir brauchen Informationsprogramme zu nachhaltiger Mobilität in Schulen, die neben der Sicherheit auch den Gesundheitsschutz thematisieren. Studien belegen, dass sogenannte Elterntaxis de facto den Schulweg der Kinder unsicherer machen. Alternative Angebote – wie der Laufbus – müssen besonders in Grundschulen angeregt werden.

7. Mut zur Nachahmung

Von Vorreitern lernen: Unsere Nachbarn in den Niederlanden und Dänemark werden international als Vorreiter in Sachen umweltfreundlicher Mobilität angesehen. Mittlerweile steuern aber auch andere Städte wie Paris, Olso, London, oder auch New York um; hin zu mehr nachhaltiger Mobilität und einer lebenswerteren Stadtgestaltung. Wir fordern: Keine Angst vor Neuen Wegen und Best-Practice-Beispielen!

 

Wir können uns vorstellen autofreie Tage auszuweiten, sodass Anwohner die Chance bekommen über einen längeren Zeitraum zu testen, wie ihre Straße ohne Autoverkehr funktioniert und dadurch (wieder-)belebt wird. Weitere Möglichkeiten wären die Ausweisung von Begegnungszonen und „Shared Space“-Bereichen und die regelmäßige Durchführung eines stadtteilweiten „Tag des guten Lebens“.

8. Land Niedersachsen, Bund, Europäische Union und Automobilhersteller

Neben den Anstrengungen auf städtischer Ebene, sollte sich die Landeshauptstadt Hannover für die Schaffung der Möglichkeit einer City-Maut einsetzen. Für eine solche Maut ist es auch möglich, die Tarife an den Schadstoffausstoß der Fahrzeugtypen anzupassen (wie dies in Barcelona der Fall ist). Die so eingenommenen Gelder könnten wiederum in Projekte zur Verbesserung der Luftqualität und Aufklärungsarbeit investiert werden.

 

Als wichtiger Standort der Volkswagen Automobilproduktion setzt sich die Stadt Hannover – im Interesse aller Angestellten – für eine echte Trendwende hin zu sauberer, zukunftsfähiger Mobilität ein. Nur ein zügig eingeleiteter Transformationsprozess kann Arbeitsplätze in der Automobilindustrie und den Zulieferbetrieben langfristig sichern.

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